Karriere-Baukasten
Karriere-Wissen 3: Kommunikation unter dem Aspekt des Selbstwertgefühls

Lassen wir einmal alle anderen Faktoren einer Kommunikation außer acht und sehen uns die Kommunikation nur unter dem Aspekt des Selbstwertgefühls an. Hieraus ergeben sich hochinteressante Erkenntnisse:

Haben wir und unser Gesprächspartner ein gesundes Selbstwertgefühl, ist keiner darauf angewiesen, seine Bedürfnisse am Anderen auszugleichen (zu kompensieren). Das Gespräch wird voraussichtlich ausgeglichen und für beide Seiten fruchtbar verlaufen.

Haben wir ein gesundes Selbstwertgefühl und unser Gesprächspartner hat ein gemindertes Selbstwertgefühl, so wird unser Gesprächspartner versuchen sein gemindertes Selbstwertgefühl (sein Defizit an Bedürfnisbefriedigung) an uns auszugleichen (mein Haus, mein Auto, mein Boot). Dies wird durch Erzählungen geschehen, bei dem unser Gesprächspartner in einem guten Licht erscheint. Oder beispielsweise dadurch, dass er uns seine teuren und prestigeträchtigen Errungenschaften vorführt.

Da wir selbst über ein gesundes Selbstwertgefühl verfügen, können wir dies ertragen und sind nicht neidisch. Wir sind sogar in der Lage, uns mitzufreuen. Wir müssen auch nicht mit eigenen Erlebnissen oder Errungenschaften gegenhalten.

Insofern kann es zu einer relativen, jedoch etwas einseitigen guten Kommunikation kommen. Wenn es uns gelingt, durch Bestätigung („Es ist wirklich enorm, was Du in Deinem Leben schon geleistet hast!“) die Bedürfnisse des Anderen schnell zu befriedigen, kann die Kommunikation sogar ausgewogen ablaufen.

Haben wir ein gemindertes Selbstwertgefühl und unser Gesprächspartner auch, kann die Kommunikation problematisch werden. Jeder versucht seine Geltungsbedürfnisse am Anderen zu befriedigen. Wir können es nur schwer ertragen, die prahlerischen Geschichten anzuhören und die hervorgezeigten Prestigeobjekte des Anderen würdigen zu müssen. Wir hören fast nicht hin und überlegen schon, womit wir unsererseits gegenhalten können. Wir werden schnell den Redefluss des Anderen zu unterbrechen versuchen, um selbst mit unseren Erfolgsgeschichten aufwarten zu können.

Da es jetzt keiner Seite richtig gelingt, seine Bedürfnisse zu befriedigen und keine Seite gewillt ist, den anderen zu bestätigen (er würde ja dann noch etwas von seinem geringen Selbstwertgefühl an den Anderen abgeben müssen), wird das Gespräch frustrierend und im wahrsten Sinne des Wortes unbefriedigend verlaufen. Leicht kann es bei diesem Gespräch zu Auseinandersetzungen kommen.

Nehmen wir uns jetzt die Zeit und beobachten andere bei Ihrer Kommunikation unter dem Aspekt des Selbstwertgefühls, so werden wir mit Sicherheit hochinteressante Feststellungen treffen können!